Häkeln oder Stricken – wobei braucht man mehr Wolle?

Häkeln oder Stricken – wobei braucht man mehr Wolle?

Inhaltsverzeichnis

    Wer schon einmal zwischen einem Häkel- und einem Strickprojekt geschwankt hat, kennt vielleicht diese Frage: Braucht man beim Häkeln wirklich mehr Wolle als beim Stricken?

    Die kurze Antwort lautet: In den meisten Fällen ja. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn der tatsächliche Garnverbrauch hängt von mehreren Faktoren ab.

    Warum verbraucht Häkeln häufig mehr Garn?

    Beim Häkeln wird der Faden mit der Häkelnadel zu einzelnen Schlingen und Maschen verarbeitet. Viele Häkelmaschen bilden dadurch eine vergleichsweise kompakte und dreidimensionale Struktur.

    Beim Stricken verlaufen die Maschen dagegen anders ineinander. Ein klassisches glatt rechts gestricktes Maschenbild ist meist flacher und kann deshalb für eine vergleichbare Fläche mit weniger Garn auskommen.

    Das bedeutet: Möchtest du beispielsweise zwei gleich große Stücke aus demselben Garn herstellen, kann das gehäkelte Stück mehr Garn benötigen als das gestrickte.

    Wie viel mehr Wolle braucht man beim Häkeln?

    Eine allgemeingültige Prozentzahl gibt es leider nicht. Man liest zwar immer wieder feste Angaben darüber, wie viel mehr Garn beim Häkeln benötigt werde – in der Praxis kann der Unterschied aber erheblich schwanken.

    Entscheidend sind unter anderem:

    Maschenart und Muster: Feste Maschen ergeben ein sehr dichtes Gewebe und können entsprechend viel Garn benötigen. Luftige Häkelmuster mit vielen Luftmaschen verhalten sich wiederum ganz anders.

    Strickmuster: Auch beim Stricken gibt es große Unterschiede. Zöpfe, Patentmuster oder andere voluminöse Strukturen können wesentlich mehr Garn benötigen als glatt rechts.

    Nadelstärke: Eine kleinere Nadel und ein dichteres Maschenbild können den Garnverbrauch erhöhen.

    Persönliche Fadenspannung: Wer sehr fest häkelt oder strickt, erhält ein anderes Ergebnis als jemand, der locker arbeitet.

    Garn: Lauflänge, Material, Stärke und Konstruktion des Garns spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

    Deshalb sollte man Aussagen wie „Häkeln verbraucht immer X Prozent mehr Garn“ eher als grobe Orientierung und nicht als feste Regel betrachten.

    Ein Knäuel ist nicht gleich ein Knäuel

    Beim Garnkauf lohnt sich übrigens ein Blick auf die Lauflänge und nicht nur auf das Gewicht.

    Zwei Knäuel mit jeweils 50 Gramm können vollkommen unterschiedliche Lauflängen besitzen. Während ein Garn beispielsweise 100 Meter auf 50 Gramm bietet, kann ein anderes deutlich mehr oder weniger Meter enthalten.

    Für die Planung deines Projektes ist deshalb die benötigte Lauflänge in Metern häufig aussagekräftiger als die reine Anzahl der Knäuel.

    Die Maschenprobe hilft auch beim Garnverbrauch

    Eine Maschenprobe ist nicht nur wichtig, damit dein fertiges Projekt später die richtige Größe bekommt. Sie kann dir auch dabei helfen, den Garnverbrauch realistischer einzuschätzen.

    Gerade wenn du eine Anleitung, die eigentlich fürs Stricken gedacht ist, häkeln möchtest – oder umgekehrt –, solltest du die angegebene Garnmenge nicht einfach eins zu eins übernehmen.

    Eine kleine Probe mit deinem gewünschten Garn und Muster zeigt dir, wie dicht das Ergebnis wird und wie sich das Material verhält.

    Sollte man beim Häkeln vorsichtshalber mehr Garn kaufen?

    Wenn du zwischen zwei Mengen schwankst, ist ein zusätzliches Knäuel oft die entspanntere Lösung – insbesondere bei größeren Projekten wie Pullovern, Decken oder Cardigans.

    Denn kaum etwas ist ärgerlicher, als kurz vor der letzten Reihe festzustellen, dass das Garn nicht mehr reicht. Und wenn die entsprechende Farbe später nur noch aus einer anderen Partie erhältlich ist, können zusätzlich leichte Farbabweichungen auftreten.

    Bei einer Anleitung solltest du dich jedoch zunächst immer an der dort angegebenen Garnmenge orientieren. Gute Anleitungen berücksichtigen bereits, ob das Projekt gestrickt oder gehäkelt wird und welches Muster verwendet wird.

    Also: Verbraucht Häkeln wirklich mehr Wolle?

    Meistens ja – aber nicht immer.

    Ein dicht gehäkeltes Stück benötigt für eine vergleichbare Fläche häufig mehr Garn als ein klassisch gestricktes Stück. Ein luftiges Häkelmuster kann dagegen sparsamer sein als ein aufwendiges, voluminöses Strickmuster.

    Entscheidend sind letztendlich Garn, Muster, Nadelstärke, Maschenart und deine persönliche Arbeitsweise.

    Und genau das macht Handarbeiten schließlich so spannend: Aus demselben Knäuel können mit zwei unterschiedlichen Nadeln völlig unterschiedliche Lieblingsstücke entstehen. 🧶

    Gemeinsam erschaffen wir Masche für Masche etwas Besonderes.